Stadtchronik Seelow
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Prof. Dr. h.c. Werner Otto – Gründer des OTTO - Versandes Nach der Wende 1990 kannte jeder Bürger der Stadt Seelow nur den weltbekannten OTTO-Versand, aber nicht die enge Verbindung zwischen dem Gründer Werner Otto und der Region Brandenburg, geschweige die Verbindung zur Stadt Seelow. Ich erinnere mich noch an die Worte unserer regionalen Zeitung, als ich zu seinem 85. Geburtstag nachfragte ob sie nicht einen Artikel dazu haben möchten bzw. schreiben möchten: „ Was hat der OTTO-Versand und ein Herr Otto mit Hier zutun“. Erst als ich erwähnte, dass Werner Otto am 13. August 1909 in Seelow in der Mark Brandenburg geboren ist, hatte ich ihr Interesse geweckt. Er ist als Sohn eines Lebensmittelhändlers in der Frankfurter Straße 57 geboren und am 7. November 1909 in der Kirche von Seelow getauft. Von Stettin ging er nach Berlin und eröffnete ebenfalls einen Laden. Er genoss das Leben der Großstadt und war von Anfang der NS-Zeit ein Hitler-Gegner. 1934 wurde er beim Schmuggeln von Flugblättern über die deutsch- tschechische Grenze erwischt und zu zwei Jahren Zuchthausstrafe in Berlin-Plötzensee verurteilt. Auch nach der Verbüßung der Haftstrafe, blieb er seiner Ideologie treu. 1939 verließ er mit seiner Ehefrau fluchtartig Berlin aus Angst vor einer erneuten Verhaftung und ging nach Westpreußen. Werner Otto wurde auch zur Wehrmacht gezogen und hatte das Glück die letzten Tage des 2. Weltkrieg als Obergefreiter auf Grund einer Verletzung im Lazarett zu überleben. Er flüchtete mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern vor den Russischen Armee in das holsteinische Segeberg. Mit dem wenigen geretteten Besitz begann er mit dem Aufbau einer Schuhfabrik und hatte 1948 schon 150 Mitarbeiter beschäftigt. Nach der Währungsreform merkte er seine Grenzen gegenüber seinen Mitbewerbern in der Schuhbrache und gab seine Schuhfabrik auf. Die verbliebenen 6.000 Mark waren das Startkapital am 17. August 1949 für die Gründung des Otto-Versandes. Mit einem selbstgeklebten Katalog der 28 Schuhe beinhaltete begann die Geschichte eines Versandhausunternehmens, welcher heute der größte Versandhandel in der Welt ist. Nach den Worten von Prof. Dr. h.c. Werner Otto „Weniger durch Glück, sondern mehr durch gute Voraussicht und gute Übersicht“. Anfang der 60’iger Jahre begann er mit Immobiliengeschäften, woraus 1965 die Werner Otto Vermögensverwaltung GmbH gegründet wurde und daraus die weltweitbekannte ECE ( ECE Projektmanagement G.m.b.H.) wurde, die in ganz Welt Geschäftshäuser errichtete und betreibt. Trotz seiner wirtschaftlichen Erfolge ist er stets ein bescheidener Mensch geblieben, der nicht gern im Rampenlicht steht und mehr die Öffentlichkeit scheut. Für seine alte Heimat der Stadt Berlin, der Mark Brandenburg und vielen weiteren Projekten hat er finanzielle Unterstützung gegeben. Im Frühjahr 1997 kam Werner Otto das erste mal nach langem wieder in seine Geburtsstadt Seelow und hat sich das Projekt Wiederaufbau seiner Taufkirche angesehen. Nach kurzer Überlegung und Absprache mit der ECE sagte er im März 1997 zu die Kosten mit 1,6 Mill. Mark für den Aufbau des Kirchturmes zu übernehmen. Innerhalb von nicht einmal einem Jahr konnten am 28. Februar 1998 nach fast 53 Jahren wieder die Glocken der Kirche in Seelow geläutet werden. Die Kirche erhielt für die weitere Rekonstruktion und dem Ausbau weitere Hilfen von Werner Otto. Ohne deren Hilfe hätte die Kirche bis 2002 nicht wieder komplett Rekonstruiert werden können. Ein kleines Dankeschön dafür war die Ehrenbürgerschaft der Stadt Seelow. Weitere Unterstützungen gab er für den Wiederaufbau des Belevedere auf dem Pfingstberg in Potsdam. Für die Stadt Berlin hat er  auch viel Unterstützungen gegeben im sozialen und kulturellen Bereich, als Dank und Anerkennung seiner großen Leistungen und Hilfe erhielt er 2003 die Otto-Reuther-Plakette der Stadt Berlin. Sie reiht sich ein in die vielen Auszeichnungen und Ehrungen die ihm in seinem langem Leben zu teil wurde. Wir wünschen ihm weiterhin viel Gesundheit und Schaffenskraft, um seine Hilfe und Arrangement in den  unternehmerischen und sozialen Gebieten noch lange fortzusetzen. Am 21, Dezember 1911 ist Werner Otto in Berlin mit 103 Jahren verstorben.
Mit drei Jahren zogen er mit seinen Eltern nach Prenzlau, wo er seine Jugend verbrachte und das Gymnasium besuchte. Eine kaufmännische Lehre absolvierte er in Angermünde. Kurz danach ging er als Kaufmann nach Stettin und eröffnete seinen ersten Laden. Im Jahre 1927 besuchte er im Zusammenhang mit einer Fahrradtour seine Geburtsstadt Seelow, die er erst 70 Jahre später wieder besuchen sollte, da er keinerlei weitere Bindung an sie hatte.
Mit seinen finanziellen Möglichkeiten arrangiervierte er sich für soziale und gesellschaftspolitische Aufgaben. 1969 gründete er die „Werner Otto Stiftung“ für krebskranke Kinder an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. 1974 wurde das „Werner Otto Institut“ für die Früherkennung und Behandlung entwicklungsgestörter und behinderter Kinder und Jugendlichen eröffnet. Von 1966 wird das „Werner Otto Stipendium zur Förderung des medizinisch- wissenschaftlichen Nachwuchses an der Universität Hamburg“ verliehen, was seitdem viele heutige Professoren und Doktoren in ihrer Ausbildung unterstütz hat. Mit aus diesem Grund ist Werner Otto die Ehrenprofessor und Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen worden.